The Last of Us II

Achtung, dieser Beitrag enthält SPOILER zu The Last of Us und The Last of Us II

Ein Spiel ohne Erfolgserlebnis

Puh, die Reise, die man mit Ellie und Abby macht, macht am Ende auf jeden Fall eines deutlich klar:
Man soll als Spieler das Schicksal der Figuren teilen und ohne Erfolgserlebnis aus der Sache herausgehen.

Man wird die Entscheidungen der Figuren mitverfolgen, wird sich durchschlagen und überleben, aber mehr auch nicht.
Man wird alles verlieren, was einem lieb und teuer war und am Ende vor dem Nichts stehen, weil der Hass und die Rache nirgends hinführen – außer direkt auf den Abgrund zu. Das Ende hat mich als Spieler emotional sehr unbefriedigt zurückgelassen und genau das ist es, was man mit den Figuren fühlen soll. Es gibt keine Gewinner, es gibt nichts, was die Rache dir „zurückgeben“ kann. Es endet alles nur in weiterer Zerstörung, in noch mehr Leid und Tod. Niemand fühlt sich am Ende besser, jeder muss nur mit noch mehr Last leben, die man sich aufgeladen hat.

Das ist ziemlich deprimierend, aber zeigt ein reales Bild: Es gibt im Krieg keine Gewinner, nur Überlebende.

Actions have consequences

Joel entscheidet sich am Ende von Teil 1 dazu, Ellie zu retten. Dabei räumt er alle Fireflies aus dem Weg, die ihm in die Quere kommen. Das hat zur Folge, dass Abby Joel hasst, weil der ihren Vater umbringt, der der federführende Arzt war, der den Impfstoff nach Ellies OP entwickeln sollte. Abby entscheidet sich auch nach Jahren noch dazu, ihrer Rache nachzugehen und Joel zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Entscheidung sorgt dafür, dass Abbys Freunde sie begleiten, was auch wieder Konsequenzen für alle nach sich ziehen wird. Auch die Entscheidung, Ellie, Tommy, Dina und Jesse zu verschonen, anstatt sie ebenfalls zu töten, führt zum bekannten Spielverlauf.

Tommy und Ellie rasten über Joels Tod aus und machen siech auf den Weg nach Seattle, um Abby und ihre Freunde für Joels Tod zur Rechenschaft zu ziehen – mit der netten Parallele, dass auch hier die Freunde wieder mit in die Geschichte gezogen werden. Abby hat durch ihre Racheaktion nicht nur sich in Gefahr gebracht, sondern auch ihre Freunde. Und es geht noch weiter als das: Im Prinzip hat Abby die gesamte Community der Wölfe einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt, weil Ellie & Co alles umnieten, was zwischen ihnen und der North Dakota Gruppe steht.

Was das Spiel deutlich macht ist, dass hinter jeder Figur eine Geschichte steht und auch die vielen NPCs nicht einfach nur Mobs sind. Wenn man sich lange genug im Stealth befindet, kann man Teile von Gesprächen belauschen, die das deutlich machen. Wolf-Soldaten, die sich darüber unterhalten, was sie machen wollen, wenn „alles vorbei ist“. Bücher lesen, Salsa tanzen lernen, endlich den Schwarm nach einem Date fragen. Alle Figuren haben Freunde, Familie, Beziehungen. Jeder Tod beeinflusst andere Leben, löst immer weitere Trauer und Leid aus, die zu Rachen führen können (aber nicht müssen). Die Ripple Effects sind endlos, so lange die Kette von Gewalt nicht unterbrochen wird.

Auch die privaten Konsequenzen sind immer und überall sichtbar:
Im Fall von Tommy, Abby und Ellie führen der blinde Hass und die Rachefeldzüge dazu, dass sie am Ende mit nichts dastehen.
Abbys und Owens Beziehung zerbricht an Abbys Verbissenheit über die Rache. Owen möchte eigentlich ein neues Leben anfangen, aus der Wolf-Community raus, aber Abby nutzt die Ausbildung und die Ressourcen, um Joel ausfindig zu machen und kann das nicht aufgeben.
Auch Ellies und Dinas Beziehung zerbricht daran, dass Ellie die Rache nicht loslassen kann. Sogar Tommys und Marias Ehe übersteht es nicht, dass Tommy nicht aufhören kann, nach Abby zu suchen.
Ellie verliert auf ihrem Rachefeldzug zwei Finger und kann am Ende nicht einmal mehr Gitarre spielen. Ausgerechnet das Gitarre spielen, das Joel ihr beigebracht hat und für Ellie eine tiefe Verbindung zu Joel war. Auch den letzten Link zu Joel hat Ellie damit verloren.

Auch Ellies und Abbys Freundschaften enden jeweils durch die getroffenen Entscheidungen, meist durch den Tod der Freunde. Dina und Tommy sind am Ende zwar noch Überlebende, aber ob das Verhältnis zu Ellie gekittet werden kann, bleibt offen (wird schwierig, denke ich).

Letztlich verlieren auch alle ihre Community:
Ellie und Dina leben am Ende nicht mehr in Jackson und obwohl Dina vermutlich zurückgegangen ist, bleibt unklar, ob Ellie zurückkehren wird.
Abby verspielt das Vertrauen ihrer Community. Nicht nur durch ihre Racheaktion gegen Joel, die für alle Wölfe zusätzliche Probleme bereitet, sondern auch durch die Entscheidungen, die Abby hinsichtlich der Seraphite Kinder Yara und Lev trifft. Die Entscheidung, den beiden zu helfen, führt dazu, dass Abby innerhalb der eigenen Community zur Feindin wird. Für Abby ist es eine Art Wiedergutmachung, weil sie nach und nach erkennt, dass sie schlimme Dinge getan hat und „die Last etwas erleichtern“ will, wie sie selbst sagt.
Auch Lev und Yara haben ihre Seraphite Community (und ihre Mutter) verloren, als sie die Regeln gebrochen haben.

Entscheidungen -> Konsequenzen.

An der Vergangenheit festzuhalten verursacht nur noch mehr Leid

Alle Figuren, die ihreVergangenheit nicht bewältigen und loslassen, zahlen einen hohen Preis dafür.
Abby will ihren toten Vater rächen und verliert darüber ihre Beziehung, ihre Freunde, ihre Community.
Ellie will Joel rächen und verliert ebenfalls alles.
Lev will seine Mutter davon überzeugen, dass er die Regeln der Seraphite nicht grundlos gebrochen hat und will, dass sie ihn versteht. Auch diese Geschichte geht nicht gut aus.

Wer in The Last of Us an der Vergangenheit festhält, ist zum Scheitern verurteilt. In einer Apokalypse gibt es nur den Blick nach vorn in die Zukunft.

Übrigens ist meiner Meinung nach Joel der einzige Charakter, der es geschafft hatte, nach vorne zu blicken. An seinem Verhalten und auch an de Erinnerungen in seinem Haus kann man erkennen, dass er die Transformation von „Überlebender“ zu „Lebender“ geschafft hatte. Er schmuggelte in Jackson nicht mehr, er hatte keinen nennenswerten Ärger in Jackson. Er hatte Hobbys wie das Schnitzen, Malen, Gitarre spielen und ganz offensichtlich mochte er Pferde. Joel hatte scheinbar mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und neu angefangen, Blick nach vorne.
Und trotzdem wurde er von seinen früheren Taten eingeholt, weil die anderen nicht in der Lage waren (wertfrei), einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen.

Der POV Switch – wer ist der villain?

Viele mochten den Wechsel zwischen Ellie und Abby nicht, was ich durchaus nachvollziehen kann. Ich finde, dass es eine krasse Entscheidung war, die die Naughty Dogs getroffen haben, denn: In seiner eigenen Geschichte ist man immer der Held, richtig?

Dadurch, dass man nach etwa der Hälfte des Spiels dazu gezwungen ist, aus Abbys Sicht zu spielen, wird deutlich, dass das Konzept „Gut und Böse“ oft einfach eine Frage des Standpunkts ist. Wir verstehen als Spieler im Idealfall beide Seiten: Wir haben Joel geliebt und verstehen, wieso Ellie alle umbringen will, die an seinem Tod beteiligt gewesen sind. Wir verstehen am Ende aber vielleicht auch ein bisschen Abbys Sicht der Dinge, die den Tod ihres Vaters rächen wollte – letztlich nichts anderes, als das, was Ellie will.
Der Perspektivwechsel zeigt, dass die vermeintlich Bösen nicht zwingend „nur“ böse sind, sondern durchaus Gründe für ihr Verhalten haben, das aus ihrer Sicht rechtfertigt, was sie tun.

Nicht falsch verstehen: Es war für mich während des Spielens trotzdem nicht so, dass ich Abby am Ende mochte, nur weil ich nachvollziehen konnte, wie es zu allem gekommen ist. Aber ich konnte ihren Charakter und ihre Taten zum Schluss differenzierter betrachten und anerkennen, dass nicht alles schwarz weiß ist – und genau das wollten die Naughty Dogs vermutlich erreichen.
Meiner Meinung nach hätte es geholfen, wenn man auf die brutale Golfschläger Szene verzichtet hätte. Das hätte Abby weniger zum Psychopathen gemacht und möglicherweise hätte man sich beim Perspektivwechsel mit ihrer Geschichte anders „anfreunden“ können. Aber diese krasse Brutalität und das Ausleben der Folter-Fantasie war (für mich) so weit drüber, dass es einfach kein Zurück mehr gab: Abby differenziert betrachten, ja. Abby wirklich mögen, nein.

Allerdings ging es mir am Ende vom Spiel so, dass ich auch Ellie nicht mehr mochte, die ich in Teil 1 als Charakter sehr geliebt habe. Auch Ellie verliert in ihrer persönlichen Apokalypse ihren moralischen Kompass und ist für mich genauso wenig liebenswert wie die anderen Figuren. Und auch das ist von den Spielemachern vermutlich gewollt. Diese ganze Apokalypse kennt keine Gewinner, nur Verlierer.

Die Plotholes

Im Netz wird die Story bereits heiß diskutiert. Ich finde, man muss immer zwischen zwei Fragenunterscheiden: „Hat mir die Story persönlich gefallen?“ und „Wurde die Story schlecht geschrieben?“

Kann mir eine Story nicht gefallen, aber trotzdem gut gemacht sein?
Ja! Definitiv. Als Beispiel fällt mir sofort die Charakter-Arc von Jamie Lannister ein, die ich als Zuschauer absolut unbefriedigend fand, weil ich mir so sehr ein anderes Ende der Entwicklung gewünscht hätte. Aber ich muss anerkennen, dass dieses unbefriedigende Ende für seinen Charakter schlüssig begründbar ist und mir deswegen nur bleibt, dass ich es schlicht nicht mag.

Etwas anderes ist es, wenn eine Story schlecht gestrickt wird. Mich stört an The Last of Us II, dass die komplette Geschichte auf ein paar Plotholes basiert, die für mich keinen Sinn ergeben:

–  Joel und Tommy nennen wildfremden, bewaffneten Leuten ihre echten Namen.
Wtf. Der erste kapitale Fehler, der aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn ergibt. Die erste Regel des Überlebens in der Apokalypse: Fremden nicht sofort vertrauen. Was machen Tommy und Joel? „Hi, ich bin Tommy und das ist mein Bruder Joel. Wir wohnen in Jackson, das ist gleich da drüben und wir haben so und so viele Einwohner.“ Was man wildfremden, bewaffneten Leuten eben so erzählt, wenn man sie gerade eben getroffen hat.
Es gab überhaupt keinen Grund, diese Informationen und die echte Identität preiszugeben. In Teil 1 war Joel sogar einmal sauer auf Ellie, weil sie ihre echten Namen an andere verraten hat. Für mich ist es vollkommen out of character, dass sich beide Männer hier so unvorsichtig verhalten.
Man kann nun sagen, dass das Leben in Jackson sie zu sehr in Sicherheit gewogen hat oder dass sie dort gelernt haben, anderen Menschen wieder zu vertrauen und tendenziell wieder das Gute in Menschen zu sehen. Das ist es, was ich mir zuerst als Begründung zusammengereimt habe. Aber na ja. Ein blöder Beigeschmack bleibt.

Abby und ihre Freunde machen sich auf den Weg nach Jackson
Wie kommen Abby und ihre Freunde überhaupt von Seattle nach Jackson? Schaut man sich die Karte der USA an, reden wir von 1000 Meilen Entfernung. Das sind angeblich etwa 12 Tage Fußmarsch. Dann kommt noch hinzu, dass in Jackson tiefster Winter ist und man die meiste Zeit im Schnee oder sogar im Schneesturm rumläuft. Das würde also bedeuten, dass Abby und Co mal eben einen Monat oder länger aus Seattle verschwinden müssen, um nach Jackson zu reisen, Joel zu finden, zu meucheln und wieder zurückzureisen.
Wie bitte erklären die acht (?) ihrem Leader Isaac, dass sie für eine solch gefährliche Aktion durch das halbe Land reisen wollen? Isaac hätte das vermutlich niemals erlaubt. Nicht nur, weil die Rache eines einzelnen Wolfs keine Priorität hat, sondern auch, weil Isaac den Genozid an den Seraphites plant und seine Leute alle zusammenhalten will/muss.
Das lässt also nur den Rückschluss zu, dass Abby und Co heimlich abgehauen sind. Bei einer so großen Gruppe ist es auch unwahrscheinlich, dass das keinem aufgefallen sein soll. Mal abgesehen davon, dass nach der Rückker keiner von denen noch eine vertrauensvolle Position innerhalb der Wolfsgruppe bekommen würde.

Abby trifft zufällig auf Joel
Sagen wir mal: Das Zusammentreffen von Abby und Joel ist sehr gefällig. Sie ist in der Nähe von Jackson, stapft alleine, nur mit einer Pistole los, natürlich bei Schneesturm und zufällig trifft sie auch noch ausgerechnet auf Joel und Tommy, die auf Patrouille sind und Abby bereitwillig in die Lodge folgen, in der ihre bewaffneten Freunde warten.
Das ist kein direktes plothole, aber doch sehr gefällig.

Unterwegs gab es hier und da auch noch Kleinigkeiten, die in der Story nicht ganz stimmig waren, aber oft kann man über sowas hinwegsehen, wenn der Rest stimmig ist. Die oben genannten Punkte allerdings stören mich schon, weil darauf die ganze Story fußt.

Das Ende

Das Ende wirkte für mich leider drangestrickt. Für mich wäre es optimal gewesen, wenn das Ende auf der Dina-Ellie-Farm gewesen wäre, auf der beide etwas abseits von allem leben und deutlich wird, dass trotz aller Idylle und allem Neuanfang das Trauma für immer bleibt. Das wäre bittersweet gewesen und ein Leben, dass Joel sich für Ellie gewünscht hätte. Blick nach vorne.

Stattdessen wird ab hier nochmal alles aufgerollt und die California Episode wirkt wie ein „Oh nein, nicht alles nochmal, bitte.“ Wir lernen, dass die Fireflies tatsächlich noch existieren und dass Owen recht hatte. Wir lernen, dass es irgendwelche Rockerbanden (?) gibt, die Durchreisende einfangen und auf deren Plantagen zu Zwangsarbeit heranziehen. Diese Rockerdudes halten sich auch ein paar Zombies an Ketten auf ihren Plantagen. Was das alles soll, erfahren wir leider nicht, weil die Episode dafür zu kurz ist. Es ergibt für mich gar keinen Sinn, das alles nochmal aufzugreifen, so viel Story anzureißen und dann nichts davon auszuführen.

Abby weigert sich, Ellie anzugreifen und wehrt sich am Ende nur, weil Ellie damit droht, Lev umzubringen.
Ellie kommt am Ende die Erkenntnis, dass es ihr nichts bringen wird, Abby zu töten und die Spirale der Gewalt wird endlich unterbrochen, beide Frauen haben das erkannt. Yay.

Die Charakterentwicklung zu dieser Erkenntnis geht leider ein bisschen ab. Bei Abby erlebt man die Entwicklung noch etwas deutlicher als bei Ellie, aber alles in allem finde ich die Entwicklungen bis zu diesem Punkt eher mäßig.

immerhin sehen wir Ellie in der Schlusssequenz, wie sie die Gitarre Und alle persönlichen Dinge in der verlassenen Farm zurücklässt. Das soll hoffentlich ein Hinweis sein, dass Ellie alles „alte“ loslässt und neu anfangen kann.

Alternative Enden

Was ich mir gewünscht hätte: Entweder ein Ende auf der Dina-Ellie Farm und eine Abby, deren Ende zwar offen ist, aber man sich vorstellen kann, dass sie Seattle mit Lev verlassen hat.

Alternativ hatte ich mir gewünscht, dass es Abby zu den Fireflies schafft und Ellie erst dort auf sie trifft. Dort hätte Ellie den persönlichen Grund für Abbys Verhalten erfahren können (den Tod ihres Vaters) und außerdem hätte Ellie bei den Fireflies vielleicht die Möglichkeit haben können, ihrem Leben doch noch den Sinn zu verleihen, den sie sich immer gewünscht hat. Vielleicht haben die Fireflies doch noch einen Arzt gefunden, der einen Impfstoff entwickeln könnte. Ellie hätte sich dafür opfern können, ihre Immunität hätte „etwas bedeutet“ und man hätte den Joel Trailer (siehe nächster Absatz) verwenden können, kurz bevor Ellie stirbt.

Die Trailer

Mich hat gewundert, dass der eine Joel-Trailer nicht im Spiel vorkam, in dem Joel zu Ellie kommt und sagt „You didn’t think, I’d let you do this alone, did you?“. Wir haben alle Trailer Mats in den Cinematics gesehen, aber diesen Teil nicht. Das finde ich ein bisschen inkonsequent und das lässt leider den Eindruck zurück, dass man mit dem „falschen“ Trailer die Fans ködern und hypen wollte, weil man denkt, man spielt in Teil 2 wieder als Joel-Ellie-Duo. Etwas unglücklich.

Joel und Ellie

Am Anfang dachte ich, dass die letzten Sekunden in Joels Leben so aussehen, dass er realisiert, dass Ellie im Raum ist und er sie nicht beschützen kann – das, was er immer wollte, konnte er nicht mehr. Ich dachte, dass es furchtbar ist, dass das womöglich seine letzten Gedanken waren.

Nachdem ich den letzten Flashback vom Abend zuvor nochmal gesehen habe, denke ich, es gibt vielleicht noch einen weiteren Punkt. Ellie und Joel hatten ein schwieriges Verhältnis, weil Joel Ellie in Teil 1 aus dem Krankenhaus gerettet hat und sie lieber für einen Impfstoff gestorben wäre. Aber die beiden haben sich auf ihre wortkarge Art versöhnt. Joel sagt, er würde es genau so wieder tun, Ellie sagt, sie weiß nicht, ob sie ihm verzeihen kann, aber sie möchte es versuchen. Beide sagen sich zwischen den Zeilen, dass sie Familie füreinander sind und sich vergeben können.
Hoffentlich bedeutet das für die Sekunden vor Joels Tod, dass er auch realisiert hat, dass Ellie da war. Dass sie gekommen ist, um ihm zu helfen. Auch das wäre für Joel in dem Moment hoffentlich ein „Trost“, weil er sieht, dass sie ihn wirklich liebt.

Übrigens: Joels Song ist so großartiges Foreshadowing. „If I ever were to lose you, I‘d surely lose myself.“ Genau das wird Ellie passieren. So sad.

Fazit

Alles in allem mochte ich The Last of Us II, auch wenn es für mich nicht an den ersten Teil herankommt. Das Problem mit Sequels ist einfach, dass die Erwartungshaltung unglaublich hoch ist und es sehr schwer wird, an eine so perfekt gemachte und erzählte Story heranzukommen, wie es bei Teil 1 gelungen ist.

Am allermeisten mochte ich – surprise – die Rückblicke mit Joel und Ellie. Traurig gemacht hat mich, dass es die beiden nicht geschafft haben, ihre Beziehung zueinander zu kitten. Es war klar, dass Joels Lüge am Ende von Teil 1 Konsequenzen haben würde, aber dass er sterben würde, bevor Ellie und er alles aufarbeiten können – man, that sucks. Es ist wohl nah an der Realität, und genau deshalb lässt es mich mit tiefer Trauer zurück.

Ich hätte gerne noch mehr über die Seraphites erfahren und deren Sekte. Es wäre cool gewesen, wenn man so eine „Bibel“ hätte finden und dort in Ruhe reinlesen können. Man hat durch die Lev-Yara-Storyline nur am Rande erfahren, welche Traditionen es innerhalb dieser Gruppierung gibt und es wäre spannend gewesen, da noch tiefer einzutauchen. Wer war die Sektenführerin? Möglicherweise Ellies Mutter, die ebenfalls immun gewesen ist und deswegen verehrt wurde? Man weiß es nicht und leider gab es auch gar keine Hinweise in irgendeine Richtung.

Trotz allem regt das Spiel zum Nachdenken an und man kann im Nachhinein über viele Dinge diskutieren und philosophieren.
Also vieles richtig gemacht.

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