Game of Thrones Winds of Winter

Game of Thrones: Staffel 6, Episode 10 „The Winds of Winter“ – Daenerys (Emilia Clarke) und Tyrion (Peter Dinklage) in “Game of Thrones”. 

Oh wow, oh wow. Was für ein  Finale!

Wie lange haben wir auf diese Folge gewartet? Gefühlt haben die letzten sechs Staffeln auf genau diese Ausgangsposition hingearbeitet, damit es zum finalsten Showdown der Showdowns kommen kann.
Viele lose Enden wurden zu einer Story verknüpft und ich allen Zuschauern, die da draußen das Netz vollheulen, dass die Show nicht mehr überraschen kann und zu viele Antworten liefert, sagen: Hey, Leute! Die komplette Story bewegt sich auf ihr Ende zu! Es ist vollkommen normal, dass irgendwann die Zeit gekommen ist, an der die Rätsel gelöst werden, statt nur weiterhin neue Fragen aufzutürmen. Schließlich hoffen wir trotz allem doch auf ein Ende, das wir gut finden und nachvollziehen können.

Es gibt trotz aller Antworten noch genug zu besprechen, genügend Theorien zum Abnerden, also legen wir mal los!

An dieser Stelle, wie immer, die obligatorische Spoilerwarnung an alle, die das Staffelfinale noch nicht gesehen und/oder die Bücher von George R. R. Martin* (noch nicht) gelesen haben.
Wenn ihr euch die Spannung nicht verderben wollt, solltet ihr an dieser Stelle nicht weiterlesen.

Die Neugier war der Katze Tod: Vorsicht, ab hier wird’s nun wirklich detailliert.

Spoiler - hier nicht weiterlesen, wenn ihr noch nicht so weit geschaut habt

Nachdem die sechste Staffel Game of Thrones ganz klar ihre Höhen und Tiefen hatte, bin ich mit dem Finale mehr als zufrieden. Nicht nur mit der Handlung an sich, sondern auch mit der Sprache der Bilder, dem fantastischen Einsatz (und Weglassen) von musikalischer Untermalung und der Art und Weise, wie einige lose Enden zusammengefunden haben.

Der Episodentitel The Winds of Winter hatte im Netz wahre Begeisterungsstürme darüber ausgelöst, dass wir endlich Zeuge des lange erwarteten Angriffs der White Walker auf die Mauer werden. Was das angeht wurden wir zwar enttäuscht, aber dafür hat es Daenerys endlich geschafft (mit Drachen und Kegel) ihren Segeltörn nach Westeros anzutreten. Yay!
Schauen wir uns das alles mal ein bisschen genauer an.

Mereen

Tyrion

Endlich wieder einmal eine starke Episode für Tyrion.
Nach den letzten Folgen wurde die Kritik immer lauter, dass der Charakter zu einer Witzfigur verkommt, dass die Dialoge zu inhaltsleer und Zeitverschwendung sind. Ich habe schon mehrfach darüber geschrieben, dass mir der Plot in und um Mereen auch zu langsam voranschritt und auch wenn ich viele Szenen (besonders die, in denen Tyrion und Varys zusammen auftraten) aufrichtig mochte, hatte ich das Gefühl, dass Tyrions Entwicklung irgendwo zwischen Schachereien mit Sklavenhändlern und Drachen steckengeblieben war.

Nicht so diese Woche. Wir haben einen nachdenklichen und in sich gekehrten Tyrion gesehen, der sich über das bevorstehende „Abenteuer“ völlig bewusst ist. Er ist der letzte Westerosi, der von Daenerys Beratern noch übrig geblieben ist und – man höre und staune – die Dragonqueen schätzt seine Ratschläge nicht nur, sondern ist sogar bereit ihnen zu folgen. Immerhin konnte Tyrion sie jüngst davon überzeugen, dass es nicht die beste Strategie ist die Städte der Sklavenhändler mit allen Zivilisten niederzubrennen und in The Winds of Winter spricht Daenerys das aus, was wir ohnehin schon längst wussten: It’s your counsel I need.
Oh ja, Tyrions Rat – und Varys‘ little birds – werden auf jeden Fall noch von großem Wert sein, wenn die Küste Westeros‘ in Sicht ist.

Richtig rührend ist der Moment, in dem Daenerys in ihr Dekolleté greift – allerdings nicht um ihre Brüste auszupacken, sondern eine Brosche ans Tageslicht zu befördern, die sie für Tyrion hat anfertigen lassen. Eine etwas krüppelige Version der Anstecknadel, die The Hand of the King in Westeros als Zeichen seines Amtes erhält, aber hey, die Geste zählt.
Ist euch aufgefallen, dass Daenerys und Tyrion während ihres Gesprächs vor einer offenen Tür sitzen/stehen? Ein schönes Symbol dafür, dass der Plot in Mereen zu einem Ende gekommen ist. Sobald sie durch die Tür hindurchschreiten, beginnt etwas Neues.
Ganz besonders toll fand ich im Übrigen, dass Tyrion zur Hand of the Queen ernannt wird, nachdem er Daenerys seine uneingeschränkte Loyalität erneut zugesichert hat. Ich hatte den Eindruck, dass ihn diese Geste aufrichtig überrascht hat, und dass obwohl Tyrion eher zu den ausgebufften Strategen des GoT-Universums gehört. Vielleicht ist er an einem Punkt angekommen, an dem ihm sein eigener Vorteil nicht mehr wichtiger ist als das Richtige zu tun. Wer weiß. In jedem Fall hat er sich als Berater bewährt und das Vertrauen der Dragonqueen zurecht gewonnen.

Apropros Ratschläge: Tyrion hat Daenerys dazu geraten Daario in Mereen zu lassen, während sie mit ihrer Armee nach Westeros segelt. Die Hand of the Queen ist der Meinung, dass die Verhandlungslage für mögliche Allianzen besser ist, wenn Daenerys‘ Status Single ist. Daario ist von der Idee natürlich nicht begeistert, aber er kennt Daenerys zu gut, als dass er sich auf eine längere Diskussion einlassen würde. Auf der rationalen Ebene hat er keine Argumente, die Tyrions Vorschlag aushebeln könnten (Can’t argue with his logic.).
Dennoch ist mir aufgefallen, dass er Daenerys‘ Farewell nicht erwidert, sondern wortlos den Raum verlässt. Ich denke, das ist nicht das letzte Mal, dass wir Daario Naharis gesehen haben.

Ich bin gespannt, wie es mit Tyrions Charakter weitergeht. Seine Wichtigkeit in Sachen Beratung ist nicht zu unterschätzen, aber nichtsdestotrotz warten in Westeros ein paar Fallstricke auf ihn. Sollte sich Cersei bis zu seiner Ankunft noch bester Gesundheit erfreuen, erwartet uns gewiss eine Familienzusammenführung der ganz besonderen Art. Und wie ist das eigentlich? Offiziell dürfte Tyrion noch mit Sansa verheiratet sein, oder nicht? Und wie weit wird sich Tyrion womöglich mit den Drachen anfreunden? Es kursieren genug Gerüchte darüber, ob er möglicherweise einer der drei Drachenreiter sein könnte. Drama, Baby!

Daenerys

Mir hat gut gefallen, dass Daenerys zum Staffelfinale offenbar eine Entwicklung genommen hat, die sie hoffentlich aus der Pubertät hat herauswachsen lassen.
Ihre Impulsivität mag Targaryen-Style sein, ging mir in den letzten Folgen aber trotzdem gehörig auf die Nerven. Daenerys wirkte über eine lange Zeit wie das Pendant zu den Kindskönigen, die in King’s Landing auf dem Thron saßen: kurzsichtig, impulsiv und nicht in der Lage zu regieren. Wie es momentan aussieht, scheint sie diese Phase überwunden zu haben, hurra!

Ein Indiz für ihr „erwachsenwerden“ ist für mich, dass sie Tyrions Frage bejaht, ob sie Angst vor dem habe, was nun kommt. Ihr Lannister-Berater nickt anerkennend und erwidert Good. You’re in the great game now and the great game’s terrifying. mit der winzigen Referenz, dass nur Irre, wie ihr Vater, keine Angst vor dem großen Zirkus haben.
Das bedeutet sicher nicht, dass Daenerys ihr Temperament ab jetzt immer unter Kontrolle haben wird, aber ich denke, dass sie nicht mehr so beratungsresistent zu sein scheint – möglicherweise auch, weil Tyrion einen guten Draht zu ihr gefunden hat.
Auf jeden Fall ist es interessant zu sehen, dass Tyrion den Blick hinter ihre Fassade gewährt. Nach außen ist sie Daenerys Stormborn of the House Targaryen, First of Her Name, the Unburt, Queen of the Andals and the First Men, Khaleesi of the Great Grass Sea, Breaker of Chains, and Mother of Dragons. So viele Titel bringen nicht nur einen einschüchternden Klang, sondern auch eine gewisse Arroganz mit sich. Derzeit sieht es aber nicht danach aus, als würde Daenerys diese Arroganz zum Verhängnis werden, weil sie nicht (mehr) nach innen gerichtet ist sondern eher ihrem Image dient. Schauen wir mal, wie lange das anhält.

Auch die Einsicht, dass ein Liebhaber bei der Iron Throne Mission ein unkalkulierbares Hindernis werden könnte, passt zur „neuen“ Daenerys. Es ist eine Entscheidung, die vom Kopf ausgeht und damit ist die Dragonqueen das perfekte Gegenbild zu Cersei, die die meisten Dinge nur tut, weil sie sich gut anfühlen. Dazu später mehr.
Auch wenn Daenerys Tyrion gegenüber eingesteht, dass sie nichts beim Beenden ihrer Liaison mit Daario empfunden hat, ist ihr anzusehen, dass es ihr nicht leichtfällt den heißen Söldner zurückzulassen. Muss ja auch alles nicht bedeuten, dass er ihr nichts bedeutet, sondern einfach, dass sie abgeklärt genug ist, um zu wissen, dass diese Beziehung nun vorbei ist.

Es bleibt spannend, wie die Eroberung Westeros‘ vonstattengehen soll. Die Dothraki sind nicht nur keine Seefahrer, sondern auch ziemlich dünn angezogen. Für den Anfang könnte es gehen, sofern die Flotte im Süden landet, aber spätestens wenn es weiter in den Norden geht, sollten die leicht bekleideten Damen und Herren besser ein paar Fellmäntel besorgen. Die Bekleidungsindustrie in Westeros wird einen Boom erleben, schließlich ist Daenerys gegen das Plündern und Brandschatzen und so. Mal abwarten, wie die Dothraki (und die Iron Born) das sehen, wenn es soweit ist. Old habits die hard.

Abgesehen vom Bekleidungsproblem wird interessant, in welchem Zustand Daenerys Westeros vorfinden wird. Sollte Cersei noch ein bisschen Wildfire finden, stehen die Chancen nicht schlecht, dass von King’s Landing nicht mehr viel übrig sein wird.
Aber on the bright side: Die Lannisters stehen inzwischen recht bündnislos da, und Varys konnte ganz offensichtlich klarmachen, dass sich die Sandsnakes aus Dorne (Wow, nach gefühlten 100 Episoden hatten wir 5 Minuten Screentime in Dorne!) und Lady Olenna aus Highgarden sich für Daenerys‘ Sache stark machen.
Aus meiner Sicht sind das allerdings zwei fragile Bündnisse, die sich erst noch beweisen müssen (und ich bin sicher, dass sie bei der erstbesten Gelegenheit auseinanderbrechen werden).

Ich bin übrigens gespannt, wie sehr sich Onkel Euron freuen wird, wenn er in Mereen ankommt und wieder nach Westeros zurücksegeln muss, weil er Daenerys verpasst hat. Awesome times.

Have a nice trip!

Winterfell

Jon

So viele tolle Schauplätze diese Woche! Der Winterfell Part gehört definitiv zu meinen Tränchen-vergießen-Momenten.
Wir erinnern uns an den Battle of the Bastards von letzter Woche, bei dem Jon eigentlich glorreich verkackt hat. Eigentlich.
Obwohl er alle Schlachtpläne innerhalb von Sekunden über den Haufen geworfen hat und von Glück sagen kann, dass Littlefinger mit seinen Knights of the Vale den Tag gerettet hat, findet Jon sich in einer recht komfortablen Situation wieder.

Diese Woche stand für mich die Verbindung der wiedervereinten Stark Geschwister im Vordergrund. Jon und Sansa hatten in der Vergangenheit nicht immer das beste Verhältnis, was sicherlich von vielen Faktoren bedingt war. Zwischen ihrem Auseinandergehen auf Winterfell (Jon ging an die Mauer und Sansa nach King’s Landing) und ihrer Reunion sind Jahre (schätze ich mal) ins Land gegangen und die beiden haben viel durchgemacht, das sie hat erwachsen werden lassen – jeden auf seine Art.

Der Bastard-Brawl ist zwar zu Gunsten der Starks ausgegangen, aber dennoch begleitet uns das Thema weiterhin.
Jon steht neben Sansa auf den Mauern Winterfells und macht ganz deutlich klar, dass er keinen Anspruch auf den Familiensitz oder den Norden erheben will. Er erkennt an, dass ohne Sansas Brief an Littlefinger alles verloren gewesen wäre und dass die Knights of the Vale ihr zu Hilfe geeilt sind und nicht ihm. I am no Stark, sagt er und Kit Harrington setzt den geprügelten Hundeblick auf, der vermutlich für immer Jon Snows Blick sein wird. Sansa überrascht mit ihrer Antwort (You are to me.) und da musste ich dann doch das ein oder andere Tränchen verdrücken.
Die Starks mussten von Beginn an so viel erleiden, erdulden und durchstehen, dass es umso mehr ans Herz geht, dass Jons Schwester ihre Anerkennung ausspricht, Herkunft hin oder her. Jon ist ihr Bruder, ganz egal wie Außenstehende das sehen. Jon (und ich) nehmen ihr das auch ab – die Familienbande der Starks eben.
Im Internet wird schon wieder geunkt, dass das Verhältnis der beiden Geschwister sicher gestört wird, weil die Kameraeinstellung so gewählt ist, dass die beiden während des Gesprächs optisch voneinander getrennt werden (durch eine Zinne).
Zumindest Jon hat verstanden, dass trust issues in der derzeitigen Situation kein guter Ratgeber sind (We have to trust each other. We haveso many enemies now.). Warten wir’s ab.

Dass Jon es ernst damit ist, keinen Anspruch zu erheben, wird im Übrigen auch davon untermauert, dass bei der Rückeroberung Winterfells die „normalen“ Stark Banner aufgehängt werden. Ein bisschen Graben im GoT-Lore besagt nämlich, dass Bastarde eigentlich nur das negative Banner ihres Hauses verwenden dürfen, wenn überhaupt.
Mal kurz zu Ende spinnen: Das Banner der Starks ist weiß, der Direwolf grau. Kehrt man die Farben ins Negative um, hieße das für „Jons“ Banner, dass der Hintergrund grau und der Direwolf weiß sein müsste. Ein weißer Wolf, wie… Trommelwirbel! Ghost. Tada!
Aber letztlich ist das mehr Gedankenspiel als alles andere, denn Jon hat gar keinen Bock auf Status und Ansehen und soweiter.

Umso „lustiger“ ist es, dass er wieder einmal in die Anführerrolle gedrängt wird, ohne es überhaupt zu wollen. Schon bei der Nightswatch hatte er keine Ambitionen Lord Commander zu werden und trotzdem wurde er von seinen Brüdern gewählt.
Ähnlich verhält es sich, als die hohen Lords des Nordens auf Winterfell zusammenkommen, um darüber zu beraten, wie es nun weitergehen soll.
Zuerst entbrennen ähnliche Diskussionen wie schon zuvor an der Mauer: Was sollen die Wildlinge hier, wir wollen die nicht, wir brauchen die nicht, zum Kämpfen waren sie gut genug, aber jetzt sollen sie bitte wieder abhauen, so haben wir hier noch nie gelebt, dies, das, Ananas. Man könnte fast meinen, dass Jon gleich wieder erdolcht wird, so sehr ähnelt der Grundtenor den Aussagen der Krähen.
Aber Dank Lady Mini-Mormont kommt alles anders. Nur das 10 jährige Mädchen hat die Eier in der Hose, um die feinen Lords daran zu erinnern, dass immer noch The North remembers gilt. Jeden einzelnen der zickigen Lords stellt sie ganz persönlich in den Senkel und reibt ihnen unter die Nase, dass sie alle lieber mit ihren Ärschen zu Hause gesessen haben, anstatt Ramsay Bolton aus Winterfell zu kehren. We know no king but the King in the North, who’s name is Stark.
Nach der harschen Ansprache kann Jon gar nicht so schnell widersprechen, wie er als King in the North gefeiert wird und die Lords sich nicht nur dafür entschuldigen, ihn im Stich gelassen zu haben. Anführer wider Willen. Some things never change.

Im Übrigen erkenne ich hier eine wunderschöne Allegorie zu letzter Woche: Erinnert ihr euch daran, dass es das Mormont Schild mit dem Bären war, dass Jon vor Ramsays Pfeilen geschützt hat?
Diese Woche ist es wieder ein Mormont Schild, dass ihn vor den Angriffen der Lords schützt – in Form von Lady Mini-Mormont.
Und wie schön ist es bitte, dass Lyanna Mormont der Schlüssel zu Jons „Erfolg“ ist, wo sie doch denselben Vornamen trägt wie Jons Mutter (dazu später)?

Viele Zuschauer haben sich in Kommentaren darüber beschwert, dass Jon Snow so leblos wirkt, dass Kit Harrington einfach nicht gut genug ist, um dem Charakter das Charisma zu verleihen, dass man von einem Anführer erwartet.
Ich sehe das ein bisschen anders: Jon Snow ist vielleicht jemand, den andere als Anführer sehen (auch wenn man ihm vielleicht nicht die Führung auf dem Schlachtfeld überlassen sollte, wenn man an seinem Leben hängt), aber er ist niemand, der nach Macht oder Aufmerksamkeit strebt. Ganz im Gegenteil, es ist ihm sogar unangenehm, wenn sich die ganze Aufmerksamkeit auf ihn richtet.

Mir gefällt an dem Part der Story, dass eines der Grundthemes von Game of Thrones aufgegriffen und mit der Story verwoben wurde: Die alten Zöpfe abschneiden, zumindest teilweise.
Zu Neds oder auch Robbs Lebzeiten wäre es undenkbar gewesen, dass ein Bastard als King in the North gefeiert worden wäre. Die Regeln waren klar: Bist du ein Bastard, dann bist du im Norden ein Snow. Du gehörst zwar irgendwie dazu, aber irgendwie auch nicht. Du hast zwar eine Familie, aber keinen Anspruch auf gar nichts.

Diese alten Traditionen wurden hiermit erfolgreich über Bord geworfen und Jon erhält aufgrund seiner Persönlichkeit die Anerkennung, die er (vielleicht) verdient. Scheiß auf die Herkunft – was hier und heute geleistet wird ist entscheidend. Bravo.
Fun fact: Sollten sich die Gerüchte um Jons Eltern (siehe Brans Abschnitt hier im Artikel) bewahrheiten, dann wäre er nicht einmal ein Bastard. You all got punk’d!

Trotzdem sage ich, dass die Traditionen nur „teilweise“ aufgebrochen werden, weil die Lords sich freiwillig hinter Jon versammeln, statt hinter Sansa. Liegt dann wohl doch daran, dass Haus Mormont die Ausnahme ist und man sich doch lieber hinter einen Mann stellt, als eine Frau als Anführerin zu wählen.

Sansa

Nachdem hitzig darüber diskutiert wurde, ob Sansa nun zum militärischen Crack digitiert ist oder nicht, hat sich diese Woche für mich herausgestellt, dass sie zwar strategisch vorgeht, aber man ihr mit den weitreichenden Plänen wohl zuviel zugetraut hat.

Sie entschuldigt sich bei Jon dafür, dass sie ihm nichts von ihrem Brief an Littlefinger erzählt hat und macht dabei einen aufrichtigen Eindruck auf mich. Das heißt allerdings noch nicht, dass ihre Vertrauenskrise in irgendeiner Form behoben ist und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie diese Probleme jemals überwinden können wird. Dafür sitzen die schlechten Erfahrungen der letzten Jahre einfach zu tief. Sie sagt auch ganz klar zu Jon Only a fool would trust Littlefinger. Das beschreibt es unterm Strich vermutlich ganz gut – nur bezieht sich das wahrscheinlich nicht ausschließlich auf Pädo-Petyr.

Insgesamt wirkte Sansa in dieser Episode dennoch sehr zufrieden. Sie ist ganz klar froh wieder zu Hause in Winterfell zu sein und auch wenn überall orakelt wird, dass es ihr nicht recht ist, dass Jon die Anführerrolle zugesprochen bekommen hat, glaube ich, dass sie damit im Moment ganz gut leben kann.
Habt ihr gesehen, wie zufrieden sie während Lady Mini-Mormonts Ansprache lächelt? Doch, ich glaube, dass sie kein prinzipielles Problem damit hat, wenn Jon die Pole Position einnimmt. Immerhin hat er sich auch bei ihr entschuldigt, weil er nicht auf sie gehört hat, als es um den Schlachtplan gegen die Boltons ging.
Ich denke, wenn die beiden zusammenarbeiten, können die beiden Stark Geschwister eine mächtige Mischung sein. Jon hat die Loyalität und die ehrenhafte Haltung eines Starks, während Sansa sich tatsächlich zum politischen und strategischen Brain aufschwingen könnte. Dann wäre sie sowas wie die Hand des Königs und ich bitte euch: Wie großartig wäre das?
Dann ist Tyrion die Hand der Dragonqueen und Sansa die Hand des King in the North. Was für ein Power-Couple (das vermutlich am Ende der Serie eine Eheberatung dringend nötig haben wird)!

Bemerkenswert finde ich noch die Begegnung zwischen Sansa und Littlefinger im Wald. Er entschuldigt sich dafür, dass er sie beim Beten stört (I’m not praying, I’m done with that.) und offenbart wieder einmal in einer gruseligen Art und Weise seine Gefühle für Sansa. Mal ganz zu schweigen davon, dass er sich auf den Iron Throne sitzen sieht, mit ihr als Königin.
Denken wir nochmal zurück an die Sansa, die Winterfell vor einigen Jahren verlassen hat. Das junge Mädchen hatte keinen sehnlicheren Wunsch als an einen Prinzen verheiratet zu werden, um eines Tages Königin zu werden.
Und heute?
Heute hat Sansa verstanden, was es bedeutet, sich auf diese ganzen Restriktionen einzulassen, was es bedeutet im goldenen Käfig zu leben und von der Gunst anderer abhängig zu sein. Sie sagt, dass sie früher nie zu schätzen wusste, was sie hatte – also zu der Zeit, als in Winterfell die Welt der Starks noch in Ordnung war.
Sie macht Littlefinger klar, dass es keine Zukunft für seine Träume gibt und sogar die letzte Provokationskarte prallt an ihr ab, als Petyr fragt, ob sie tatsächlich glaubt, dass sich der Norden hinter einem motherless bastard zusammenfinden wird.
Guess what? Genau das ist passiert.

Aber auch wenn das alles gut gelaufen zu sein scheint, weiß Sansa, dass die Gefahr, die von Littlefinger ausgeht, nicht zu unterschätzen ist. Während Jons „Krönung“ ist Petyr der einzige Mensch im Raum, der mit versteinertem Gesichtsausdruck in der Ecke sitzt.

Littlefinger

Zu Littlefinger gibt es eigentlich nicht viel Neues zu sagen, außer, dass wir zum ersten Mal aus seinem Mund gehört haben, was er eigentlich will: Den Iron Throne (und Sansa zur Frau, eww).

Er hat sich in eine prekäre Lage begeben, denn durch sein Eingreifen in die Schlacht um Winterfell hat er sich offiziell zu einer Allianz mit den Starks bekannt. Wir erinnern uns: Cersei dürfte das gar nicht gefallen, denn das letzte Mal, als sie Sansa gesehen hat, war das anlässlich der Purple Wedding und seitdem wird Sansa des Mordes an Joffrey bezichtigt.
Sich auf eine Seite mit den Starks zu stellen bedeutet also automatisch die Lannisters gegen sich aufzubringen. Gut, gemessen am aktuellen Machtgefüge könnte das gerade noch verträglich sein, denn die Lannisters haben so ziemlich alle Verbündeten verloren. Nichtsdestotrotz ist das ein heißes Eisen.

Sicher habe nicht nur ich gejubelt, als klar wurde, dass Littlefinger sich bei seinem Spielchen verzockt hat. Offenbar ist er davon ausgegangen, dass es deutlich einfacher sein würde einen Keil zwischen Sansa und Jon zu treiben.
Ein verkackter Schachzug heißt aber nicht, dass Petyr aufgeben wird, ganz im Gegenteil.
Wir erinnern uns an eine Szene aus Staffel 5, in der Littlefinger mit Cersei zusammensitzt und von ihr verlangt, dass sie ihn zum Warden of the North ernennt, wenn er Winterfell für sie einnimmt. Ganz Cersei-like lautet ihre Antwort: I’ll know you’re a man of your word when I see Sansa Stark’s head on a spike.
Nun. Ich wage zu behaupten, dass wir mal wieder an einem Punkt angelangt sind, an dem es für die Starks ins Auge gehen könnte. Nachdem Sansa Petyr zurückgewiesen hat, könnte er sich in einer solch aussichtslosen Lage sehen, dass er die Möglichkeit tatsächlich in Betracht zieht, Sansas Kopf an Cersei zu schicken. Hoffen wir, dass Littlefinger vorher das Zeitliche segnet.

Ser Davos und Melisandre

Seitdem Ser Davos letzte Woche die verkokelte Hirschfigur aus den Resten des Scheiterhaufens gefriemelt hat, haben wir nur auf den Moment gewartet, in dem der Onionknight und Melisandre aufeinanderprallen.
Die rote Priesterin und Jon Snow unterhalten sich im Speisesaal der Starks und interessanterweise erwähnt Jon ihr gegenüber, wie seine Familie immer am gemeinsam am großen Tisch gegessen hat und er am anderen Ende des Raumes essen musste, weil er ein Bastard ist. Melisandre erwidert, dass er es hätte schlimmer treffen können, denn wenigstens hatte er eine Familie. Ein Hinweis darauf, dass sie diese Erfahrung eben nicht machen durfte.
Jon lächelt nur grenzdebil und vermutlich macht ihm dieser Moment noch einmal schmerzhaft deutlich, dass von seiner Familie nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist.

Ser Davos unterbricht die Unterhaltung, wirft Melisandre das verkohlte Spielzeug zu und konfrontiert sie mit dem Vorwurf, Princess Shireen verbrannt zu haben (You burned her!). Ihr bleibt gar keine andere Wahl als zuzugeben das arme Mädchen auf den Scheiterhaufen gesteckt zu haben und ihre Rechtfertigung (So did her father. So did her mother.) wirkt geradezu lächerlich angesichts der Amtshandlung über die wir sprechen.
Davos fordert Jon Snow dazu auf Melisandre angemessen zu bestrafen, aber statt einer Exekution wählt Jon Exil (Ride south and never return.) mit der Auflage, dass er Melisandra hängen lässt, sollte sie sich jemals wieder blicken lassen. Ser Davos bekräftigt das Urteil noch, indem er der roten Priesterin versichert, dass er sie höchst selbst um die Ecke bringt, wenn er ihr nochmals begegnen sollte.

Tja. Melisandres überraschtem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hat Jon sie auf dem falschen Fuß erwischt. Offenbar hatte sie nicht erwartet, dass er sie fallen lässt, aber da hat sie die Rechnung ohne Jon gemacht, dem Gerechtigkeit wichtiger ist als Melisandres potenzielle Nützlichkeit (er will ja sowieso nicht nochmal wiederbelebt werden).

Riverrun

Arya

Das bringt mich direkt zum nächsten überlebenden Stark: Arya.
Wie cool wäre es, wenn Arya Littlefinger den Garaus machen würde? Aber so weit sind wir leider noch nicht.

Wie Varys scheint Arya sich in Mopsgeschwindigkeit durchs GoT-Universum bewegen zu können, denn unser Wiedersehen fand in Riverrun statt, obwohl wir sie das letzte Mal noch… ach, egal. Details. Wir behaupten einfach, dass ein paar Monate vergangen sind.

Die Gerüchteküche brodelt ja schon seit einigen Folgen, ob Arya die Fähigkeit des Gesichterwechselns nun erlernt hat oder nicht. Tada! Sie hat! Denn wie sich herausstellt ist eines der Dienstmädchen kein Dienstmädchen, sondern Arya – eben nur in Gestalt von jemand anderem.
Was sie in Riverrun will ist mehr als naheliegend: Den Freys die Quittung für die Red Wedding verpassen.

Was soll ich sagen? Wie es sich für einen gut ausgebildeten faceless assassin gehört, erreicht sie ihr Ziel. Zuerst meuchelt sie die Söhne von Walder Frey und backt sie in einen Fleischkuchen ein. Yummy. Fühlt sich noch jemand an die Geschichte vom Rat Cook erinnert? Zum Glück hat sie niemanden unter ihrem eigenen Dach zerstückelt, sonst hätten die Götter sie vielleicht auch in eine Giant Rat verwandelt. Gerade nochmal gut gegangen.

Zum Schluss steht noch Walder Frey auf ihrer Liste, dem sie zuvor den leckeren Fleischkuchen serviert. Als der alte Frey eröffnet bekommt, was er da gerade isst und mit seinem Würgereflex beschäftigt ist, zieht Arya ihre Maske ab und gibt sich zu erkennen. Was für ein Moment!
My name is Arya Stark, the last thing you’re ever going to see is a Stark smiling down at you as you die.

Wir haben schon oft über Gewalt im Zusammenhang mit Game of Thrones gesprochen, aber in dem Fall gab es vermutlich keinen Zuschauer, dem es leid getan hat, als Arya dem alten Frey die Kehle aufschneidet. Cineastisch wieder ein starker Moment, ist er doch so gleich zu Catelyn Starks Ableben.

Tja. Karma, Walder Frey. Karma.
Trotzdem ist es ein bisschen beunruhigend, dass Arya so eiskalt vorgeht und ihre Rachepläne Stück für Stück in die Realität umsetzt. Aber vermutlich hat sie den Fluch der überlebenden Starks inne: Irgendwas in ihnen ist zerbrochen.
Ich bin übrigens gespannt, ob Aryas Direwolf Nymeria in der kommenden Staffel auftaucht, jetzt wo sie wieder in Westeros ist. Und ob wir Jaqen H’ghar nochmal wiedersehen, von dem ich fast sicher bin, dass er der Many Faced God höchstselbst ist.

Die Mauer

Bran

Die Storyline rund um Bran diente im Staffelfinale eigentlich nur dem Zweck, Jons Herkunft teilweise aufzuklären und dazu, dass Onkel Benjen Bran zurück zur Mauer eskortiert, um ihn in Sicherheit zu bringen. Angeblich besteht die Mauer nämlich nicht nur aus Eis, sondern auch aus alter Magie, die die Untoten daran hindert ins Reich der Menschen einzudringen.
Natürlich stellt sich dem aufmerksamen Zuschauer sofort die Frage: Was ist mit Brans Mal? Hat das einen Einfluss darauf?
Immerhin konnte der Nightking Bran auch in die Höhle des Three Eyed Raven folgen, nachdem er den Bub in einer seiner Visionen angepackt hatte. Ich würde sagen: Bran hat das schonmal versaut und es ist nicht auszuschließen, dass er es wieder tut. Die Mauer wird in jedem Fall in der kommenden Staffel zerstört werden – meine Vermutung.

Zurück zu Brans Flashback:
Wir sind wieder mal in der Vergangenheit, genauer gesagt bei der Tower of Joy Geschichte. Wir erinnern uns, das ist die Szene, in der Ned Stark und Howland Reed gegen Arthur Dayne kämpfen (und nicht ganz so ehrenhaft gewinnen, wie man sich so erzählt), um Lyanna Stark aus dem Turm zu befreien.
Dieses Mal startet Brans Flashback nach dem Schwertkampf und wir begleiten den jungen Eddard Stark in den Tower, in dem er seine Schwester Lyanna auch tatsächlich vorfindet. Ihr Gesundheitszustand ist alles andere als gut, überall ist Blut und sie hält sich mit Mühe und Not die Hand auf den Bauch, wo scheinbar eine offene Wunde klafft.
Endlich ist der Moment gekommen, in dem wir als Zuschauer die Auflösung einer der brisantesten Fragen der Serie erfahren: Wer ist Jons Mutter?

Dass sich alle Fantheorien bestätigen und Lyanna Stark Jons Mutter ist, das haben wir wahrscheinlich alle erwartet. Nun habe ich natürlich gehofft, dass sich aus dem Flashback noch mehr ableiten lässt, aber die Macher der Serie verstehen es, immer noch einen Teil des Rätsels Lösung im Dunkeln zu lassen. Lyanna flüstert Ned kurz vor ihrem Tod etwas zu, das wir nur teilweise hören können:
His name is [illegible]. If Robert finds out, he’ll kill him, you know he will. You have to protect him. Promise me, Ned.

Tja. Das lässt nun Raum für Interpretation was die Vaterschaft angeht. Die Vermutung, dass Rhaegar Targaryen Jons Vater ist liegt nahe und ich halte diese Theorie auch für am wahrscheinlichsten. Warum?
1. Wissen wir nur aus Robert Baratheons Erzählungen, dass Lyanna von Rhaegar verschleppt und vergewaltigt wurde. Wie wahrheitsgetreu diese Information ist, können wir gar nicht beurteilen, denn Roberts Sichtweise wird behindert von verletztem Stolz, Eifersucht und vielleicht sogar Hass. Immerhin war er in Lyanna verliebt (er hat nach ihrem Tod nie mehr eine Frau wirklich geliebt, hat er selbst zu Ned gesagt) und mit ihr verlobt und dann kommt dieser Targaryen Schnösel daher und baggert sein Mädchen an.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass Lyanna und Rhaegar sich ineinander verliebt haben und zusammen durchgebrannt sind. Das hieße im Umkehrschluss, dass die ganze Rebellion, die Ned und Robert wegen Lyanna angezettelt haben, für den Bobbes war, aber shit happens.
Ich sage, dass Jon ein gewolltes Kind von Rhaegar und Lyanna war.
2. Ich gehe davon aus, dass Lyanna und Rhaegar verheiratet waren, was Jon nicht zu einem Bastard machen würde, sondern zu einem Targaryen oder Stark (keine Ahnung, welches Haus da wohl das Vorrecht hätte, womöglich das des Vaters). Die Targaryens lebten in Polygamie und so wäre es durchaus „normal“ gewesen, wenn Rhaegar Lyanna geheiratet hätte, obwohl er zu dem Zeitpunkt bereits mit Elia Martell verheiratet war.
Indiz dafür: Warum sollte Arthur Dayne mit der Kingsguard den Tower of Joy bewachen, wenn Lyanna nicht zur Königsfamilie gehörte? Die Kingsguard steht ausschließlich eben dieser zur Verfügung.
3. Lyanna ringt ihrem Bruder das Versprechen ab, dass er Baby-Jon nicht nur aufnimmt, sondern explizit vor Robert beschützen soll. Welche guten Gründe könnte Robert haben, ein kleines Baby umzubringen?
Sicher könnte man vermuten, dass Robert als impulsiver Arsch das Kind einfach aus Wut umbringen würde, weil Lyanna im Kindsbett gestorben ist und ihn das Kind an sie erinnert. Aber könnte es nicht auch andersherum sein, wenn man versucht hätte Jon als Roberts Sohn durchgehen zu lassen? Hätte Robert das Kind dann nicht womöglich auf Händen getragen, weil es die letzte Erinnerung an seine geliebte Lyanna ist?
Man weiß bei Robert vielleicht nicht, wie sein Temperament ausgeschlagen wäre, aber ich bin mir fast sicher, dass es noch einen anderen Grund gibt: Jon ist nicht Roberts Sohn (okay, wissen wir) und auch kein Bastard (eben auch erklärt) – das würde bedeuten, dass Jon einen legitimen Anspruch auf den Iron Throne hätte. Zu der Zeit haben die Targaryens regiert und Jon wäre demnach ein rightful heir und somit eine Bedrohung für Roberts Machtergreifung gewesen.

Es ist schon eine bittere Erkenntnis, dass Ned Stark Lyannas Kind vor seinem besten Freund beschützen musste. Aber das Szenario ist durchaus denkbar, denn wir erinnern uns, was den Targaryens nach der Rebellion widerfahren ist: Sie wurden alle abgeschlachtet, sogar die Babys. Nur Daenerys und Viserys wurden ans andere Ende der Welt geschleust und selbst als Robert erfahren hat, dass die Daenerys noch lebt, hat er im kleinen Rat dafür gestimmt sie umbringen zu lassen.
Wisst ihr noch, dass Ned der Einzige war, der dagegen war? Zu Robert sagte er: I followed you into war. Twice. Without doubts, without second thoughts. But I will not follow you now. Plötzlich erscheint es in einem ganz anderen Licht, dass er so vehement dagegen war, Daenerys umbringen zu lassen. Natürlich passt es zum ehrenwerten Verhalten der Starks, aber mit einem Mal finden wir Jons Geschichte in der von Daenerys wieder und Neds Beweggründe werden deutlich persönlicher.

Die Frage, weshalb Ned Jon nichts von seiner Herkunft erzählt hat, die treibt immer noch viele Zuschauer um.
Beantworten kann der arme Eddard sie nicht mehr, aber die Vermutung liegt nahe, dass er Jon bis zum maximalen Zeitpunkt schützen wollte. Denn was hätte die Konsequenz sein können, hätte er ihm von seinen wahren Eltern erzählt?
Jon wäre zur Zielscheibe von politischen Machtkämpfen geworden, wenn das Geheimnis an die Öffentlichkeit gedrungen wäre. Möglicherweise hätte Jon auch gar nicht lange überlebt, weil es genügend Menschen gibt, denen ein Targaryen Thronanwärter nicht in den Kram gepasst hätte.
Erinnert ihr euch, als Ned Jon noch auf einige Kilometer bis zur Mauer begleitet? Staffel 1? Da sagt er sinngemäß, dass sie sich über seine Mutter unterhalten, wenn sie sich das nächste Mal sehen. Dazu kam es bekanntermaßen nicht, aber hier meine Theorie:
Eddard wollte mit der Offenbarung warten, bis Jon den Eid bei der Nightswatch abgelegt hat. Wir wissen, wie das läuft – hat man den Eid erst einmal geschworen, hat man alles hinter sich gelassen. Die Herkunft, die Ländereien, das Haus, die Familie, ein Stückweit die eigene Identität. Man ist dann ein Bruder der Nachtwache und nur noch dem Dienst an der Menschheit verpflichtet.
Hätte Ned seinem „Sohn“ also bei einem nächsten Treffen an der Mauer offenbart, dass seine Eltern Lyanna und Rhaegar waren, hätte es für Jon keine Rolle mehr gespielt. Er wäre bereits eine Krähe gewesen und hätte nicht von seinem Eid entbunden werden können (Wiederbelebung lag zu der Zeit noch nicht so sehr im Trend, munkelt man). So hätte Ned seinen Neffen bis zuletzt beschützen können. Gerissen.

Eins noch: Auch hier sehen wir wieder, wie stark (schlechtes Wortspiel, hatten wir heute noch nicht) die Familienbande der Starks sind. Das Versprechen, das Ned seiner Schwester gibt hält er bis zu seinem Tod. Der letzte Wille seiner Schwester bedeutet ihm sogar mehr als seine Ehe zu Catelyn (die er aufrichtig geliebt hat). Das macht Hoffnung für die überlebenden Stark Geschwister.

King’s Landing

Cersei

Auf zum letzten Schauplatz des grandiosen Finales: King’s Landing.
Bis auf ein paar Randbemerkungen beschränke ich mich auf Cersei, da sie der Dreh- und Angelpunkt für diesen Handlungsstrang ist.

Die Episode beginnt in King’s Landing und an dieser Stelle ist ein großes Kompliment an die Macher der Serie fällig: Wir steigen in die Folge ein und sehen Cersei, Tommen, dem High Sparrow und Margaery dabei zu, wie sie sich auf das bevorstehende Tribunal vorbereiten.
Sie werden alle eingekleidet (okay, der High Sparrow wirft sich nur seinen Kartoffelsack über, aber das zählt auch) und mit großer Liebe zum Detail sehen wir wer welchen Wert auf welche Accessoires und welche Kleidung legt. Die komplette Szene ist sehr still, es gibt keine Hintergrundgeräusche, keine Musik. Sehr eindrucksvoll.

Der High Sparrow schart seine Anhänger und ein bisschen Volk in der Sept zusammen, das Tribunal beginnt mit der Befragung von Ser Loras, der der Homosexualität und anderen Dingen beschuldigt wird. In den Augen der Spatzen alles Sünden, für die man sich vor den Göttern verantworten muss. Ach, Moment. Die Spatzen verurteilen einen eigentlich, nicht die Götter. Welch schöne Religion.
Wie dem auch sei, die Verhandlung beginnt, Loras bricht unter dem Druck der letzten Monate im Kerker zusammen und gesteht einfach alles, was man ihm anlastet, nur damit man ihn in Frieden lässt. Er gelobt sein Leben den Göttern zu widmen und auf alle Titel zu verzichten, genauso wie auf den Reichtum seines Hauses, den Anspruch auf die Erbschaft und das Recht Kinder in die Welt zu setzen. Klingt ziemlich nach dem Eid, den auch die Nightswatch verlangt, nur im Namen eines anderen Anführers. Dieser Teil des Tribunals ist schnell abgehandelt, an Margaerys Blicken lässt sich erahnen, dass sie froh ist, wenn das Kasperletheater endlich zu Ende ist – vielleicht hat sie es geschafft den High Sparrow an der Nase herumzuführen, aber spätestens seit sie ihrer Großmutter einen Zettel mit einer aufgemalten Rose zugesteckt hat wissen wir, dass sie immer noch eine Tyrell ist.

Nachdem Loras seine Abbitte geleistet hat, wäre eigentlich Cersei an der Reihe. Doch Überraschung! Sie ist nicht da.
Der High Sparrow macht sich noch in gewisser Weise lustig darüber, dass sie ja wohl nicht ihre eigene Verhandlung sausen lassen wird, aber spätestens seit den ganzen Andeutungen der letzten Folgen um Wildfire, das unter King’s Landing deponiert ist, können wir erahnen, dass Cersei einen Plan hat. Und was für einen.

Der erste Moment, an dem es dämmert ist der, in dem es an der Tür zu King Tommens Gemächern klopft. Der Kindskönig steht auf, weil er glaubt, dass er sich nun auf den Weg zum Tribunal machen muss, aber surprise, bitches! Es ist Mountainstein, der vor seiner Tür steht und ihn daran hindert seine Gemächer zu verlassen. Mountainstein ist nicht besonders geschwätzig, aber wir ahnen, worauf es hinausläuft.

Long story short: Über zwei drei Umwege kommt es dazu, dass tatsächlich die Wildfire Vorräte unter der Sept in die Luft fliegen. BOOM! Und mit der ganzen heiligen Stätte verabschieden sich auch der High Sparrow, seine fanatischen Anhänger und leider auch Margaery und Loras Tyrell.
Margaery versucht noch den Oberfanatiker zu warnen, beschwört ihn, dass Cersei auf jeden Fall etwas im Schilde führt, wenn sie durch Abwesenheit glänzt, aber wie es in Game of Thrones leider so oft mit den Anführern ist: Die Beratungsresistenz ist mindestens so groß wie die Arroganz.
Margaerys Versuche aus dem Gebäude zu fliehen scheitern, weil die verrückten Spatzen sie nicht durchlassen und das Ende vom Lied ist, dass der High Sparrow kurz vor seinem Tod erkennt, dass Cersei ihn gelinkt hat. Wie ironisch, dass ausgerechnet sie seine Macht zerstört, wo sie sie ihm letzte Staffel (?) doch selbst gegeben hat, um die Tyrells loszuwerden.
Tja, dem High Sparrow nutzt die Erkenntnis nichts mehr, und irgendwie ist es fast schade, dass er die Konsequenzen seiner Arschigkeit nicht mehr ausbaden muss.

Während dem ganzen Tohuwabohu sorgt der Frankensteindoktor Qyburn übrigens noch dafür, dass Grand Maester Pycelle das Zeitliche segnet. Ausgerechnet die kleinen Kinder, die als Spione durch die Stadt flitzen, stechen den Grand Maester ab – erinnert ein bisschen an Jon Snow, der von den Brüdern der Nightswatch mehrfach erdolcht wird. Im Falle von Pycelle fällt mir allerdings nicht mehr ein als: Karma is a bitch.

Wir sind übrigens nicht die Einzigen, die Margaery vermissen werden: Tommen beobachtet von seinem Fenster aus wie die ganze Sept in die Luft fliegt. Statt eines Gefühlsausbruchs erleben wir allerdings nur, wie er mit einer hölzernen Bewegung seine Krone abnimmt und auf den Tisch legt, nur um sich kurz darauf aus dem Fenster zu stürzen. Die Szene ist vollkommen still, es gibt keine Musik, nichts und gerade das macht sie so so so eindrucksvoll. Gruselig, ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Wow.

Ich war nie ein großer Tommen-Fan, aber der Bub hatte wirklich etwas Besseres verdient. Er war neben Myrcella eines der „guten“ Kinder von Cersei und einfach nicht gemacht für das Königs-Dasein, das er auch im Normalfall nie hätte haben müssen. Bevor er in der Thronfolge aufgerutscht wäre, wären sein Bruder und seine Schwester an der Reihe gewesen (wenn wir mal ausklammern, dass die Kinder von Cersei und Jaime normalerweise sowieso kein Anrecht auf den Thron hätten).
Tommen war leicht zu beeinflussen, wollte es immer allen recht machen, allen gerecht werden und er hat Margaery wirklich geliebt.
Am Ende erinnert er fast ein bisschen an Jon Snow – beide haben einfach keine Leaderqualitäten und ein zu weiches Herz.
Ganz besonders tragisch finde ich, dass sein sofortiger Selbstmord zu verhindern gewesen wäre, wäre er in diesem Moment der Verzweiflung nicht allein gewesen. Mountainstein hat nur bis zum Moment des großen Knalls den Türsteher gespielt, danach wurde er von Cersei gebraucht, um die letzte Überlebende Septa zu foltern. Die schweigsame Tante, die außer Shame! und Confess! nicht so viel zu sagen hatte, ihr wisst schon.
Während Cersei und Mountainstein also damit beschäftigt sind Rachegelüste auszuleben, bzw. Befehle zu befolgen, hat Tommen die Möglichkeit, sich zunächst unbemerkt aus dem Fenster zu stürzen. Das arme Kind.

So traurig dieser Umstand ist, so grausam zeigt er auf, wo Cerseis Prioritäten liegen.
Dass sie verhindern wollte, dass Tommen etwas zustößt ist klar: Hätte sie das nicht gewollt, hätte sie ihn einfach zur Verhandlung gehen lassen und mit in die Luft jagen können. Dass Cersei ihre Kinder wirklich liebt lässt sich nicht leugnen, ebenso wenig wie die Kurzsichtigkeit ihrer Pläne. Wenn ich mich recht entsinne, war es sogar ihr Vater Tywin, der ihr an den Kopf geworfen hat, dass sie dumm ist, weil sie sich andauernd überschätzt.
Genau das passiert ihr beim Wildfire-Gate (wieder mal). Selbstverständlich ist es ein Geniestreich alle Feinde an einem Ort zu wissen und für Bombenstimmung zu sorgen. Dass der Plan so grandios aufgeht, hätte sie sich vielleicht selbst nicht träumen lassen.
Aber ihr ultimatives Ziel, ihren Sohn zu beschützen, hat sie verfehlt. Der Plan war so lange perfekt, bis Cersei sich von ihren Impulsen hat leiten lassen und lieber ihrer Rache nachgegangen ist, statt sich um ihr Kind zu kümmern. Klingt ein bisschen Targaryen-Style, nicht?

Am Ende besteigt Cersei tatsächlich den Iron Throne und wird Königin. Ihr lange gehegter Wunsch wird wahr, aber zu welchem Preis?
Machttechnisch gesehen hat sie alles gewonnen (den Thron, ihre ganzen Widersacher sind in Flammen aufgegangen), aber emotional betrachtet hat sie alles verloren. Ich bin sicher, dass wir in der kommenden Staffel viel Spaß mit Cersei haben werden, weil sie Potenzial hat den Mad King gebührend zu ersetzen.
Böse Zungen behaupten, dass Jaime Lannister – The Kingslayer womöglich noch zum Queenslayer wird.
Das würde jedenfalls zur Prophezeiung passen, die Cersei als Teenager von einer Hellseherin erhalten hat (And when your tears have drowned you, the valonqar (younger brother) shall wrap his hands about your pale white throat and choke the life from you.).

Ich denke, dass das gefährliche an Cersei ist, dass nach Tommens Tod nichts mehr übrig ist, dass sie in irgendeiner Form empathisch oder sogar menschlich macht. Sie hat alles verloren, was ihr lieb und teuer war (übrigens auch ein Teil der Vorhersagung) und nun sind keine Kinder mehr übrig, die das Gegengewicht zu Cerseis dunkler Seite bilden. Sie wirkte nicht einmal wütend oder traurig, sondern einfach nur leer – was womöglich noch gefährlicher ist.
Jaimes Blick nach zu urteilen weiß er das auch und rechnet mit dem Schlimmsten. Ich auch.

Mir ist noch eine Parallele zwischen Cersei und Sansa aufgefallen:
In der letzten Folge reagierte Sansa sehr abgeklärt auf Rickons Schicksal, nachdem klar war, dass Ramsay den jüngeren Bruder tatsächlich in seiner Gewalt hat. Sie hat Jon sofort gesagt, dass Rickon keine Chance hat lebend aus der Sache rauszukommen – und sie sollte recht behalten. Sansa wusste, dass Rickon eine Art Kollateralschaden sein würde, wenn sie gegen Ramsay in den Krieg ziehen.

Bei Cersei verhält es sich möglicherweise ähnlich. Sie hat in den letzten Jahren dabei zusehen müssen, wie sich die Vorhersagung Stückchen für Stückchen erfüllt hat und vermutlich war ihr klar, dass auch Tommen eher früher als später eines unnatürlichen Todes sterben wird.
Vielleicht hat sie ihren letzten Sohn tatsächlich als potenziellen Kollateralschaden gesehen. Ein Opfer, das man bringen muss, um an sein Ziel zu gelangen (in beiden Fällen, bei Sansa und Cersei, war dieses Ziel primär Rache). Immerhin war das Verhältnis der beiden zuletzt zerrüttet – war es doch Tommen, der Cersei die Möglichkeit des trial by combat genommen hat.

Eine bemerkenswerte Szene habe ich noch, bevor ich zum Ende komme.
Als Cersei ihren persönlichen Rachefeldzug gegen die Septa auslebt, gesteht sie die ganzen Sünden, die sie in der Kerkerzelle für sich behalten hat. Sie gesteht den Mord an Robert, ihre Liebesbeziehung zu Jaime, dass ihre Kinder aus dieser Inzest-Beziehung stammen und sie gesteht, dass sie all diese verwerflichen Dinge tut, weil sie sich gut anfühlen.
Der Kontrast zur gereiften Daenerys wird hier nochmal richtig deutlich. Daenerys hat diese Impulsivität teilweise abgelegt und trifft (mit Tyrions Hilfe) rationalere Entscheidungen. Sie befiehlt Daario in Mereen zu bleiben, obwohl sich seine Anwesenheit für sie gut anfühlt. Sie brennt die Städte der Sklavenhändler nicht nieder, obwohl ihr erster Impuls war, dass es sich gut anfühlen würde. Daenerys‘ Chancen stehen also gut, dass die Pläne auch deutlich bessere Erfolge erzielen als Cerseis.

Wow! So viel habe ich hier auf dem Blog noch nie veröffentlicht, aber so ein Staffelfinale verdient einfach noch mehr Aufmerksamkeit als die anderen Folgen. Ich hoffe, ihr habt bis zum Schluss des Artikels durchgehalten und hattet Spaß am Nerd- und Theoriekram!
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