Milbenallergie Testergebnis

Ergebnis meines Allergietests: Hausstauballergie oder Milbenallergie; Foto: Laura Meyer

Die einen sammeln Actionfiguren, die anderen Comics und ich? Ich sammle Allergien.
Klingt erstmal lustig, ist in Wirklichkeit aber eine oftmals nervige Angelegenheit.

Wie ihr sicherlich wisst habe ich die ein oder andere Nahrungsmittelallergie, mit denen ich mittlerweile gut zurechtkomme. Ich achte sehr genau darauf was ich esse (ja, nervt manchmal, schon klar), ich koche und backe für mein Leben gern und habe gelernt die nervigen Allergene weitestgehend zu vermeiden. Hurra!

Weil meinem Immunsystem das offenbar zu langweilig geworden ist, hat es sich dazu entschlossen mich mit einer neuen Herausforderung zu beglücken: Einer Hausstauballergie oder Milbenallergie.
Wie ihr euch vorstellen könnt, ist meine Freude riesengroß. Nicht. Wieder einmal bedeutet das alles umzukrempeln, nur dieses Mal in einem Bereich, den man nicht so gut unter Kontrolle hat wie das Essen. Aber der Reihe nach.

Hausstauballergie? Milbenallergie? Wie kommt man denn auf sowas?

Seit Wochen habe ich Probleme mit den Nebenhöhlen – jedenfalls dachte ich das.
Jeden Morgen hat es sich angefühlt, als sei mein Kopf total „zu“, meine Nase war verstopft und ich hatte das Gefühl, dass mir Alienschleim im Hals klebt. Ja, das ist ein bisschen eklig, aber wir wollen bei der Wahrheit bleiben. Für mehr Ehrlichkeit im Netz und so, verlangt ihr doch alle immer.

Wie vermutlich die meisten Menschen gehe ich nicht gerne zum Arzt. So lange mir keine Gliedmaße abfällt oder ich den Kopf unter dem Arm trage, verzichte ich auf den Besuch einer Arztpraxis (auch wenn mir dadurch bestimmt schon der ein oder andere Wartezimmertweet durch die Lappen gegangen ist).
Meine Rotznase habe ich gefühlte Ewigkeiten ignoriert, bis mir eines Abends aufgefallen ist, dass mein Essen nach Pappe schmeckt. Und beim Essen hört der Spaß bei mir auf.
Fun fact: Zuerst ist mir der beeinträchtigte Geschmackssinn beim Zähneputzen aufgefallen. Es ist super freaky, wenn sich der Mund frisch anfühlt, man die Zahnpasta aber nicht mehr schmeckt. Für euch getestet.

Ein Besuch beim Hausarzt war wenig zielführend: Ein bisschen Nasenspray (ohne chemisches Zeug, damit die Schleimhäute nicht abhängig werden), aber das hat wenig bis gar nicht geholfen. Mein Geschmackssinn war nie vollkommen verschwunden, sondern eigenartig partiell gestört. Pfefferminz ging mir total ab, Kaffee konnte ich sehr gut riechen, aber kaum schmecken. So ging es mir mit vielen Lebensmitteln und der Grad der Geschmacklosigkeit (haha!) schwankte von Tag zu Tag.
Der Hausarzt legte mir zuguterletzt einen Besuch bei einem HNO-Kollegen nahe, um abklären zu lassen weshalb meine Nebenhöhlen so herumgarsten und der Geschmackssinn gestört ist.

Der Besuch beim HNO-Arzt

Eins kann ich euch vorab verraten: Es ist gar nicht so einfach einen (guten) Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu finden.

Besonders zahlreich sind sie nicht vertreten, die Praxen sind hoffnungslos überlastet und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass es mir meine Vertrauensprobleme verbieten auf gut Glück zum nächstbesten Arzt zu wackeln, den Google ausspuckt. Ich gehe nicht gerne… ihr erinnert euch.

Oh du schönes Frankfurt

Oh, du schönes Frankfurt!; Foto: Laura Meyer

Nachdem ich etliche Bewertungsportale im Internet abgegrast, Gespräche mit Familie und Freunden geführt hatte, bekam ich aus meiner liebsten Twitter-Timeline einen HNO-Arzt empfohlen. Der Tipp beruhte auf persönlicher Erfahrung, die Bewertungen im Internet sind durchweg positiv und mein Bauchgefühl war auch der Meinung, dass dieser Arzt der richtige für uns ist. Ich hatte Glück und konnte über die online Terminvergabe (I love it!) einen zeitnahen Termin ergattern. On the plus side: Mal wieder ins schöne Frankfurt zu düsen hat auch was für sich.

Also saß ich wenige Tage später im ultramodernen Wartezimmer, in Begleitung des Liebsten, weil ich Arztbesuche… ihr wisst, was ich sagen will. Nachdem mich mein verkrüppeltes Geschmacksempfinden nun über mehrere Wochen hinweg begleitet hatte, habe ich mir in meinem Kopfkino schon die wildesten Diagnosen ausgemalt. Tatsächlich war eine neue Allergie eine davon, aber mein panisches Ich fand es viel wahrscheinlicher, dass ich einen Hirntumor, Speiseröhrenkrebs oder etwas noch Schlimmeres habe. Danke für nichts, Gehirn.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der HNO-Arzt hat sich Hals, Nase und Ohren angesehen, ein CT des Kopfes gemacht (sehr fancy, diese neuen, offenen Geräte!) und einen Allergietest angeordnet. Grandioserweise ermöglicht es diese Praxis, alles in einem Aufwasch zu erledigen, so dass ich nach diesem ersten Termin fertig war.

Pricktest

Pricktest (nach ca 15 Minuten); Foto: Laura Meyer

Der Allergietest der Wahl war ein Pricktest, den bestimmt ganz viele von euch kennen. Der Unterarm wird mit Kugelschreiber vollgekritzelt, man bekommt tropfenweise Zug auf den Arm geträufelt und wird anschließend mit einer Nadel in diese Tropfen gepiekst. Selbstverständlich muss man dabei die ganze Zeit stillhalten, weil der Test ansonsten für die Tonne ist. Dass Kratzen auch verboten ist, muss ich wohl nicht extra betonen.
Ein Riesenspaß.
Nachdem die Haut angepiekst wurde, wird das Zeug abgetupft und dann darf man die nächsten 30 Minuten damit verbringen dem Arm beim Aufquaddeln zuzusehen. Und ja: Das meine ich genau so.
Solltet ihr in den Genuss eines Pricktests kommen, lasst euch bloß den Arm zerpieksen, an dem nicht eure Schreibhand festgewachsen ist.

Als ich nach der Ablauf der 30 Minuten wieder ins Zimmer es Arztes gerufen wurde, war dieser hoch erfreut und eröffnete mir sofort Das Problem ist gelöst!
Da mein Arm sich ein bisschen so anfühlte als sei ich Baymax*, dachte ich mir schon, dass es vermutlich keine Horrordiagnose geben wird und ich bin sehr froh, dass dem auch so war: Ich bin allergisch gegen Milben (und Katzen. Quaddeln des Todes.).
Meine Schleimhäute in der Nase sind durch die allergische Reaktion so sehr angeschwollen, dass sie wie bei einer schlimmen Erkältung alles abdrücken. Auch meinen Geschmackssinn.

Was sind Milben und wo wohnen sie?

Allgemein kennt man diese Allergieform als „Hausstauballergie“ und ich habe interessiert festgestellt, dass beim Pricktest zwei Sorten Milben getestet wurden. Es gibt also sogar mehrere Rassen von den Viechern! Natürlich bin ich gegen beide Getesteten allergisch. Was auch sonst.
Hier mal die knappen Fakten: Milben sind eine Unterklasse der Spinnentiere, im Stamm der Gliederfüßer. Sie sind nur etwa 0,1 Millimeter groß, weswegen man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Und trotzdem schmeißen sie millionenfach eine Party in euren Betten. Jede Nacht. Na? Wer hat schon Gänsehaut?

Bettmilbe, Gebirgs-Hausstaubmilbe, amerikanische Hausstaubmilbe (Dermatophagoides farinae)
Hausstaubmilbe, Bettmilbe, europäische Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus)

Der Allergenherd

Milben sind mehr oder weniger überall. Teppiche, Matratzen, Bettzeug, Badvorleger, Sofa – nichts ist vor ihnen sicher. Wie man sich vorstellen kann, ist das Schlafzimmer einer der fatalsten Allergenherde. Immerhin verbringt man jede Nacht zwischen 6 und 8 Stunden im kuscheligen Bettchen und steckt sein Nase im wahrsten Sinne des Wortes in die Angelegenheiten der Milben.

Das Immunsystem erkennt im Falle einer Allergie den Milbenkot und reagiert darauf. Antikörper werden gebildet, deren Mission es ist, den gefährlichen Stoff zu eleminieren. Das ist nett gemeint, aber die Schleimhäute der Atemwege schwellen dabei an, die allergische Reaktion ist in vollem Gange – und das alles, während man nichtsahnend im Land der Träume unterwegs ist. Am nächsten Morgen wacht man auf, der Kopf ist dicht und man weiß gar nicht so genau was los ist.

Wie ich bereits im Eingangssatz sagte: Man lernt im Laufe der Zeit Allergene zu vermeiden.
Aber wie soll ich bitte schön mein Bett vermeiden? Das eigentliche Problem ist, dass das Immunsystem nicht mehr zur Ruhe kommt. Spätestens jeden Abend wird es erneut aufgescheucht, so dass die Schleimhäute keine Gelegenheit mehr bekommen abzuschwellen. Und da sind alle Zusammenkünfte mit Milben noch ausgeklammert, die abseits des Bettes stattfinden.

Hausstauballergie – Was tun?

Wie immer bei einem Allergie-Upgrade gilt es erst einmal sich zu informieren.
Ich habe in den letzten Tagen einiges über Milben gelesen und so ziemlich jede 10-Dinge-die-bei-Hausstauballergie-helfen-Seite angeklickt, die das Internet zu bieten hat.

Die Tipps sind zahlreich und stellenweise sehr, äh, drastisch.
Neues Bettzeug kaufen, okay.
Nicht im Schlafzimmer umziehen und/oder die Haare kämmen, check.
Neuen Staubsauger mit Feinpartikelfilter kaufen, einleuchtend.
Olle Bettvorleger entsorgen, alles klar.
Neues Bett kaufen, eh ja nein, Moment mal.
Neues Sofa kaufen, wait what?
Einmal am Tag feucht durch die Wohnung wischen, was? Wer? Wann?
Einmal in der Woche das Bett frisch beziehen, wo gebe ich eine verdammte Annonce für eine Haushälterin auf?

Ich werde mich in den kommenden Tagen weiter in die Materie einlesen und dann entscheiden mit welchen Maßnahmen es losgehen soll.

Ganz oben auf meiner Liste stehen sogenannte Encasings, eine Art Zwischenbezug für die Bettwäsche. Der soll verhindern, dass man die Nase direkt in den Milbenkot (ich komme nicht darüber hinweg, dass das ziemlich eklig ist, wenn sich das Gedankenkarussell erst einmal dreht) drückt. Im Gegenzug kommen die Milben nicht so leicht an die Hautschuppen, die sie so gerne essen und alle sind happy. Na ja, bis auf die Milben, die gehen dann hungrig ins Bett.

Encasings für das Bettzeug kann man sogar online bestellen, alles kein Problem. Spannend wird das Encasing-Vorhaben hinsichtlich des Toppers, der auf unserem Bett liegt. Wir haben vor zwei Jahren ein Boxspringbett gekauft: Das heißt, die Matratzen liegen nicht auf einem Lattenrost, sondern sind in einem überdimensionalen Kleidersackdingsbums eingepackt. Normalerweise würde man ein Encasing für die Matratze kaufen, was in unserem Fall eher keinen Sinn ergibt, da die Matratzen bereits „verpackt“ sind und es womöglich keinen Milbenschutz für so ein Boxspring-System gibt (muss ich nochmal recherchieren).
Der direkte Kontakt mit der Milbenkacke entsteht also nicht nur durch die Bettwäsche, sondern durch den Topper, auf dem wir liegen – und der hat vollkommen andere Maße als eine Matratze.

Ich hatte mir vor ein paar Wochen allergikergeeignete Bettwäsche zugelegt, weil mein Bettzeug schon etwas älter war. Für den Liebsten haben wir auch schon welches bestellt, das der Postbote morgen oder übermorgen vorbeibringen wird.

Außerdem werden wir uns einen neuen Staubsauger anschaffen. Dass diese Feinstaubfilter-Sache sinnvoll ist, sehe ich ein. Mit einem normalen Gerät saugt man den Staub vorne auf und pustet hinten einen Teil direkt wieder hinaus.
Auch hier werden wir uns erstmal einlesen müssen, weil es so viel Auswahl gibt. Feinstaubfilter, Wasserfilter, teuer, günstig, groß, klein, Riesentrumm – es gibt einfach alles.

Mein Plan ist es, diese „einfachen“ Punkte erst einmal umzusetzen und zu beobachten, wie sich mein Immunsystem verhält. Es klingt womöglich fahrlässig, aber ich sehe mich noch kein neues Ledersofa kaufen, nachdem wir unser Sofa gerade mal vier Monate beherbergen. Keine Angst, Sofa! Wir lieben dich sehr und werden eine Lösung finden, damit du bei uns bleiben kannst.

Ähnlich verhält es sich mit dem Wischen/Putzen. Wir leben nicht in Dreck und Speck, haben bislang einmal pro Woche staubgesaugt und einmal im Monat gewischt. Seit wir unseren Staubsauger Roboter* haben, flitzt R2Saug2 jeden zweiten Abend zusätzlich durch die Bude. Allergie hin oder her: Ich werde keinen übertriebenen Putzfimmel entwickeln und jeden Tag mit dem Wischmob und Atemmaske durch die Gegend rennen. Auch einmal in der Woche die Betten abziehen – not happening.

Damit bin ich am Ende dieses Artikels angekommen. Konfetti für alle, die bis hierhin durchgehalten haben!
Wer hilfreiche Tipps zum Thema Hausstauballergie hat, darf sich gern bei mir melden – wer nur klugscheißen, trollen oder mosern will, darf ein Ticket für den Waynetrain lösen.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es mit der neuen Allergie und meinen Anschaffungen weitergeht.


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Written by Laura

liebt es in der Küche herumzuwurschteln, ganz besonders wenn es ums Backen geht.

Glutenfrei seit Januar 2014, laktose- und weizenfrei seit September 2010.