Betreff: Ihr Bericht „Weniger Laktose für teuer Geld“

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse haben wir Ihren Marktcheck zu laktosefreien Lebensmitteln gelesen. Wir sind mehrere Bloggerinnen und Autorinnen, die alle selbst von Laktose-Intoleranz und anderen Allergien und Unverträglichkeiten betroffen sind. Leider finden wir – aus Betroffenensicht -, dass Ihr Artikel an einigen Stellen nicht hilfreich ist.

Zum einen entsteht durch Ihren Marktcheck und der nachfolgenden Berichterstattung der Eindruck, als wären nahezu alle laktosefreien Produkte unnötig und dass wir Betroffenen uns nur “anstellen” würden. Aber allein am Beispiel der Butter sieht man, dass dem nicht so ist. Sicherlich, wenn man nur ein wenig Butter aufs Brot schmiert, wird es den wenigsten Menschen mit Laktose-Intoleranz schlecht gehen. Aber: Butter hat einen Laktosegehalt von 0,7 – 0,8 g auf 100 g und wenn diese in Soßen oder süßen Backwaren verarbeitet wird, bleibt es eben nicht bei dieser geringen Menge. Mozzarella hat je nach Sorte sogar 1 g Laktose auf 100 g, was eindeutig zu viel für die meisten von uns ist!

Zum anderen vergleichen Sie aus unserer Sicht Äpfel mit Birnen. Natürlich empfinden auch wir einige Preise als zu hoch. Aber Sie vergleichen den Preis eines Markenprodukts mit dem einer supermarkteigenen Marke! Da ist es klar, dass ein medienwirksamer Preisunterschied von über 200 % herauskommt.

Würden Sie mit einem Betroffenen einkaufen gehen, würden Sie feststellen, dass ein laktosefreier Einkauf gar nicht so einfach ist. Es gibt Brote – u.a. auch die von Ihnen erwähnten Knäckebrote – die Milch enthalten. Es gibt Wurst – auch Leberwurst – die Laktose enthält. Und wenn Sie dann noch einen Menschen dabei hätten, der sowohl eine Zöliakie als auch eine Laktoseintoleranz hat (was gar nicht so selten vorkommt), würden Sie merken, wie sinnvoll die Kennzeichnung der von Ihnen kritisierten Brote sind! Beim Käse, sofern dieser nicht die Aufschrift „laktosefrei“ trägt, muss man als Betroffener die Nährwerttabelle am besten mit einer Lupe studieren, denn es gibt selbst Goudasorten, die noch zuviel Laktose enthalten (Mai-Gouda).

Anstatt also die zu verdammen, die ihre Produkte als laktosefrei kennzeichnen, sollten Sie alle Firmen angehen, die Milchbestandteile dort verwenden, wo man keine Laktose erwartet, z.B. in gekörnter Brühe, fertigen Reismischungen oder Fruchtbonbons. Außerdem sollten Sie sich gegenüber dem Gesetzgeber und der Firmen dafür einsetzen, dass die neue Kennzeichnungspflicht der Hauptallergene endlich umgesetzt wird, so dass wir Verbraucher auf einen Blick erkennen können, welche der Stoffe in einem Produkt enthalten sind. Dies gilt natürlich ganz besonders für unverpackte Lebensmittel.

Wir wünschen uns von den Verbraucherzentralen, dass sie auch die Interessen von Laktoseintoleranten und Allergikern im Blick haben, denn auch wir sind Verbraucher! Im Rahmen eines Marktchecks sollten die Produkte nicht nur unter monetären Gesichtspunkten betrachtet werden.

Vielen Dank für Ihre Zeit und viele Grüße

Laura Camprubi, Stefanie Gieche, Steffi Kochtrotz, Doris Paas, Julia Stüber

Es wird Zeit, mal etwas gegen diesen „Hype“ zu sagen.
In diesem Sinne!
Eure


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Written by Laura

liebt es in der Küche herumzuwurschteln, ganz besonders wenn es ums Backen geht.

Glutenfrei seit Januar 2014, laktose- und weizenfrei seit September 2010.