Der Ein oder Andere hat vielleicht am vergangenen Montag Abend auf ARD eingeschaltet, als es hieß „Deutschland isst…mit Tim Mälzer“.
Die Sendung setzte sich mit der Frage auseinander, ob wirklich immer Fleisch auf den Tisch muss – und ob wir nicht eigentlich zuviel Fleisch essen.
Letzteres lässt sich ganz einfach mit „Ja.“ beantworten. Wir essen definitiv zuviel Fleisch. Diese Erkenntnis gibt es zwar nicht erst seit letztem Montag, aber interessanterweise ist die Resonanz im Internet zu dieser Sendung riesengroß. Vielleicht der Tim Mälzer Faktor, wer weiß das schon.

Ich habe hier im Blog auch schon des Öfteren das Thema „Wollen wir uns mit unserem Essen eigentlich noch beschäftigen?“ aufgegriffen und stelle leider immer wieder fest, dass vielen Leuten gar nicht bewusst ist, was wir essen und wo unsere Lebensmittel herkommen.
Wenn man diese Dokumentation gesehen hat, dann sind einem als Zuschauer hoffentlich die Bilder aus der Wiesenhof Fabrik im Gedächtnis geblieben.
Dieses Beispiel möchte ich gerne einmal aufgreifen, weil ich diese Bilder momentan selbst nicht loswerde.

Wir essen fast alle gerne Hühnchen. Egal ob als Brathähnchen oder Filet, Hühnchenfleisch kommt bei den meisten Verbrauchern gern auf den Tisch. Schmeckt ja auch lecker.
Einfach ist es außerdem: Wir gehen in den Supermarkt und bedienen uns an der Frische- oder Tiefkühltruhe. Raus aus dem Froster, rein in den Ofen.
Wenn wir ehrlich sind, dann stellen wir uns keine Sekunde lang die Frage, wo dieses Hühnchen überhaupt herkam.
Ganz zu schweigen davon, wie es vielleicht einmal gehalten wurde. Das Hühnchen kommt aus dem Supermarkt und der Strom kommt aus der Steckdose.

Wir haben den Bezug zu unserem Essen in Wahrheit doch schon lange verloren – wir machen uns überhaupt keine Vorstellung, was unser täglicher Konsum für Auswirkungen hat.
„Früher“, als es noch nicht üblich war, jeden Tag Fleisch zu essen, wusste man in der Regel auch noch, wo sein Fleisch herkam. Jeder wusste, dass das Steak einmal ein Rind war, das beim Bauern auf der Wiese herumspazierte und man wusste, wo die Hühner herkamen, wenn man eins für die Suppe kaufte.

Heute kommen die Supermarkt-Hühner zu einem großen Anteil von Wiesenhof.
Wiesenhof genießt in Deutschland ein gutes Image – nach den Bildern von Montag ist es mir ein Rätsel, wie man dieses positive Bild überhaupt aufrecht erhalten kann.
Natürlich ist mir klar, dass vermutlich keine Massenproduktion eine „schöne“ Produktion sein kann.
Und selbst wenn man sich vor Augen führt, dass wir hier von lebenden Hühnern als Massenproduktionsware sprechen, kann man sich die Vorgehensweise nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat.
Die Eier werden in künstlichen Brutkästen in Plastikkörben ausgebrütet. Die kleinen Küken hocken dicht an dicht in ihrem Plastik zu Hause und werden dann massenweise über etliche Förderbände geschubst, gewackelt, geworfen, sortiert, wasauchimmer. Allein, wie man in diesem frühen Stadium mit diesen kleinen Lebewesen in der Fabrik umgeht, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.
Aber damit nicht genug.
Die Hühner werden natürlich im Eiltempo gemästet, damit man schön schnell seine Kohle einstreichen kann und möglichst kurze Haltungszeiten (und damit Kosten) verursacht. Das Geflügel lebt auf so engem Raum, dass man sich fragt, wie dort keine Massenpanik ausbrechen kann. Durch das mangelnde Platzangebot bewegen sich die Hühner natürlich nicht besonders viel – bis sie am Ende (sprich: kurz vorm Schlachten) ohnehin zu fett dazu sind. Forscher vermuten, dass die Hühner zu fett gezüchtet werden und am Ende ihres kurzen Daseins gar nicht mehr in der Lage sind, vernünftig zu Laufen.
Der Industrie ist das herzlich egal – je fetter das Huhn, desto mehr Ertrag.
Interessant vor allem die Aussage eines Wiesenhof Mitarbeiters, der behauptet, die Hühner wollten gar nicht nach draußen, weil es so viele Greifvögel gibt. Ehm. Ja.

Vom Teil der Schlachtung selbst hat ARD freundlicherweise keine Bilder gezeigt, ich für meinen Teil muss sagen, dass mir die Bilder vorher schon gereicht haben.

Wiesenhof rühmt sich auf seiner Webseite damit, dass es eine Herkunfts-Garantie für die Hühner gibt und kein Tiermehl an das Geflügel verfüttert wird.
Heutzutage muss man als Huhn also offensichtlich schon dankbar sein, wenn man keinen gemahlenen Fisch zu fressen bekommt.

Es ist klar, dass „wir“ mit unserem Fleischkonsum diese Produktions-Bedingungen quasi selbst hervorgerufen haben, aber dennoch finde ich solche Bilder schockierend. Diese Zustände herrschen ja leider nicht nur bei den Hühnern, sondern auch bei Schweinen, Kühen und anderen Tieren, die als Massenware „produziert“ werden.

Fleisch hin oder her:
Es kann doch nicht richtig sein, dass der Mensch den Respekt anderen Lebewesen gegenüber dermaßen mit Füßen tritt.
Mir geht es auch gar nicht darum, einen Aufruf zu starten „Esst alle nie mehr Fleisch!“, weil das ebenfalls unsinnig wäre.
Aber wir sollten einfach wieder mal anfangen nachzudenken, wo unser Essen herkommt. Und vor allem sollten wir daran denken, dass das Fleisch auf unseren Tellern einmal Tiere waren, die nicht über Nacht in der Tiefkühltruhe gewachsen sind.
Niemand verlangt, dass man heutzutage Nutztiere so halten sollte, wie vor 100 Jahren. Wir wissen alle, dass man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann und es immer mehr Menschen auf unserem Planeten werden, die ernährt werden wollen.
Aber man kann diesen übertriebenen Fleischkonsum reduzieren und weniger produzieren. Vor allem, ohne die armen Viecher derartig zu quälen.
Da fragt man sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Mir jedenfalls vergeht die Lust am Fleisch Essen, wenn ich solche Bilder sehe. Fleisch von Wiesenhof kommt jedenfalls nie mehr auf meinen Teller.

Wer die Sendung verpasst hat, kann sein Versäumnis in der ARD mediathek nachholen.

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Written by Laura
liebt es in der Küche herumzuwurschteln, ganz besonders wenn es ums Backen geht. Glutenfrei seit Januar 2014, laktose- und weizenfrei seit September 2010.